29.07.2021   |   News

Faktencheck des Fraunhofer ISI zu Digitalisierung aus Innovationsperspektive

In einem Policy Brief liefert das Fraunhofer ISI aus einer Innovationsperspektive heraus eine Bestandsaufnahme zum Innovationspotenzial der Digitalisierung. Dabei werden ausgewählte Erkenntnisse zur Digitalisierung vorgestellt, die in einer Vielzahl von Forschungsprojekten am Fraunhofer ISI gewonnen wurden. Der Policy Brief befasst sich zudem mit der Frage, was Politik, Wirtschaft und Gesellschaft tun können, um mit Hilfe digitaler Technologien nachhaltige Innovationen zu realisieren.

Anhand von acht Fragen setzen sich die Autor:innen unter anderem mit der digitalen Infrastruktur Deutschlands oder den Effekten der Digitalisierung auf die Energiewende auseinander oder untersuchen, wie sich vertrauenswürdige KI-Systeme praktisch umsetzen lassen. So legt der Policy Brief dar, dass Deutschland international beim Ausbau seiner digitalen Infrastruktur hinterherhinkt: Denn im Gegensatz zu anderen Ländern wie Spanien (90%), Schwerden (80%) oder Frankreich (70%) verfügen hierzulande nur etwas mehr als 13 Prozent aller Haushalte über die Möglichkeit, schnelle Glasfaser-Internetanschlüsse zu nutzen (Stand: November 2020). Leistungsfähige Netze sind aus Innovationssicht aber besonders wichtig: Wirtschaft und Gesellschaft profitieren von ihnen, sie setzen kreative Kräfte frei und ermöglichen digitale und soziale Innovationen verschiedenster Art. Deshalb muss die Politik den Breitbandausbau weiter vorantreiben, um Infrastrukturlücken möglichst schnell zu schließen, und die Telekommunikationsunternehmen müssen konsequenter auf Glasfaser setzen.

Stimmen die infrastrukturellen Voraussetzungen, können die Digitalisierung und insbesondere KI-Systeme dabei helfen, Prozesse zu optimieren - etwa im Zuge der Energiewende, wie der Policy Brief zeigt: Im Energiesystem der Zukunft, das von vielen kleinen Solaranlagen, Stromspeichern und flexiblen Stromanwendungen wie Wärmepumpen oder Elektrofahrzeugen geprägt sein wird, kann KI etwa die Auslastung sowie die Zusammenführung von Energieerzeugung und -bedarf optimieren. Mit KI-Systemen lassen sich Entscheidungsgrundlagen für den Beetrieb und die Organisation des Energiesystems erstellen und Energieinfrastrukturen planen. Voraussetzung ist aber, dass jederzeit genügend Daen zur Verfügung stehen, etwa von den Stromerzeugern oder den nachfragenden Haushalten.

Diese datengetriebe, automatisierte oder völlig autonome Funktionsweise von KI-Systemen wirft Fragen nach der Vertrauenswürdigkeit, der Privatsphäre und nach der Selbstbestimmung des Menschen auf, die der Policy Brief ebenfalls behandelt: So plädieren die Autor:innen für eine >>vertrauenswürdige KI<<, bei der menschliches Handeln Vorrang hat vor maschinellen Entscheidungen und die Systeme nicht zur Diskriminierung Einzelner führen. Das Label >>vertrauenswürdige KI<< kann zu einem zentralen Qualitätsmerkmal europäischer KI-Systeme werden, wenn es konsequent umgesetzt wird. Dazu sollten Informatiker:innen, Ingenieur:innen sowie Sozial- und Geisteswissenschaftler:innen interdisziplinär zusammenarbeiten und bereits in frühen Phasen des Entwicklungs- und Implementierungsprozesses von KI-Systemen solche Fragen mitdenken und in die Systeme integrieren. Woran es laut des Policy Briefs fehlt, sind Erfolgsbeispiele für entsprechende Umsetzungen - diese braucht es aber, um die Vorteile vertrauenswürdiger KI-Systeme zu demonstrieren und Nachahmer zu motivieren.

Dr. Bernd Beckert, der am Fraunhofer ISI das Themenfeld Künstliche Intelligenz leitet, äußert sich wie folgt zum Policy Paper: >>Gerade beim Thema 'vertrauenswürdige KI' zeigt sich der querliegende Charakter der Digitalisierung: Sie betrifft fast alle Lebens- und Arbeitsbereiche und besitzt enorme Veränderungspotenziale. Wir sollten die Digitalisierung nicht einfach über uns entgehen lassen, sondern aktiv gestalten und sie zur Realisierung einer nachhaltigen Welt einsetzen.<<