18.08.2020   |   Blog

Nachhaltigkeit ist kein Selbstzweck

Die Folgen der Pandemie haben schnelles Handeln gefordert und gleichzeitig auch Transformationen in kürzester Zeit ermöglicht. Insbesondere die Digitalisierung ist in einer nicht für möglich gehaltenen Geschwindigkeit vorangeschritten. Gleichzeitig war und ist immer noch Weitsichtigkeit gefragt, denn die langfristigen Herausforderungen der zukünftigen Gestaltung von wirtschaftlichen Erfolg bei gleichzeitigem Erhalt unserer Lebensgrundlagen sind geblieben. Dr. Viola Gerlach vom IASS Potsdam geht im Leitartikel zur neuen SERVICETODAY 3/20 den Fragen nach, was ökologische, soziale und wirtschaftliche Nachhaltigkeit ist und was durch das Zusammenwirken dieser drei Aspekte erreicht werden kann. Es geht außerdem darum, welche zukünftigen Kompetenzen Unternehmen im Wechselspiel zwischen Unternehmenserfolg und gesellschaftlicher Verantwortung brauchen. Den vollständigen Leitartikel gibt es im Heft, hier sind die wichtigsten Aussagen zusammengefasst. Außerdem wird es am 27. August 2020 ein Online-Expertenforum mit Dr. Viola Gerlach zu diesen Fragen geben.

Mit dem Beschluss der Agenda 2030 für eine nachhaltige Entwicklung hat die internationale Staatengemeinschaft im Jahr 2015 eine deutliche Aufforderung ausgesprochen: Jeder Staat soll mit Blick auf 17 konkrete Ziele einen Beitrag auf dem Weg in Richtung Nachhaltigkeit leisten. Zur Erreichung dieser "Sustainable Development Goals" (SDGs) wird die Rolle nicht-staatlicher Akteuere explizit hervorgehoben. Zivilgesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft sind aufgerufen, ihren Teil zur Gestaltung der Zukunft beizutragen. Ein SDG Compass bietet eine Orientierungshilfe vor allem für Unternehmen, die bereits nach internationalen Standards berichten.

Für die Zukunft gilt: Innovationen, die einen ökonomischen Mehrwert bieten und gleichzeitig die natürlichen Ressourcen schonen und erhalten, werden einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil genießen. Entscheidungsträgern in Politik und Wirtschaft stellt sich die Frage: Wie können Lösungsstrategien entwickelt und innovative Ideen generiert werden, die diesem Anspruch gerecht werden? Neue Formen der Zusammenarbeit mit Akteuren außerhalb des üblichen Unternehmerumfeldes werden in Zukunft an Bedeutung gewinnen.

Am Institut für transformative Nachhaltigkeitsforschung (IASS) in Potsdam haben sich die dort tätigen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler darauf spezialisiert, den Transformationsprozess in Richtung Nachhaltigkeit zu beforschen und zu unterstützen. Das Institut verfolgt einen ko-kreativen Ansatz, bei dem es darum geht, von Anfang an und im gesamten Prozess der Transformation das Wissen und die Kompetenz viele einzubeziehen. "Transdisziplinär" nennen wir das, und das bedeutet, dass Wissenschaftlerinnen und W'issenschaftler, Unternehmerinnen und Unternehmer, Politikerinnen und Politiker und viele andere ihre "Komfortzone" verlassen und gemeinsam und in gegenseitigem Respekt nach neuen Wegen suchen. Auf diese Weise können sich alle Beteiligten von Beginn an mit dem Prozess identifizieren und werden so auch mit hohem Committment an der Gestaltung des Transformationsprozesses mitwirken. Genau diese Bereitschaft, eigenverantwortlich und konstruktiv einen Beitrag durch das Einbringen der eigenen Kompetenz zu erbringen, macht den Gestaltungsprozess in Richtung Nachhaltigkeit erst tragfähig.

Folgende Aspekte werden nach Ansicht von Dr. Viola Gerlach im Transformationsprozess in Richtung Nachhaltigkeit insbesondere auch zunehmend für Unternehmen von entscheidender Bedeutung sein:

  • Voneinander und miteinander lernen um innovativ zu sein: Die Fähigkeit, Menschen im eigenen Umfeld zu stärken, so dass sie kooperieren statt gegeneinander zu arbeiten, wird eine entscheidende Kompetenz von Führungspersönlichkeiten und von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gleichermaßen sein. Der Transformationsprozess in Richtung Nachhaltigkeit erfordert Offenheit für Zusammenhänge, die nicht Teil des bisherigen Tätigkeitsbereiches waren. Die Begeisterungsfähigkeit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und ihre Eigeninitiative wird stark davon abhängen, wie gut die Strukturen innerhalb des Unternehmens dazu beitragen, dies zu ermöglichen. Zukünftige Arbeit wird ein Mix aus konkreter fachbezogener Arbeit und gemeinsamer Entwicklung innovativer und kreativer Ideen sein.
  • Transparenz über größere Zusammenhänge: Um Wechselwirkungen über die üblichen Unternehmenskontexte hinaus zu erkennen und das Berücksichtigen von Fragestellungen im Kontext von Nachhaltigkeit zu fördern, sind der Blick über den eigenen Tellerrand und kontinuierliche Zusammenarbeit und Austausch mit anderen Akteuren wichtig. Die richtigen Kooperationspartner sollten anhand der langfristigen Ausrichtung des Unternehmens ausgewählt werden, so dass die Zusammenarbeit sowohl für das Unternehmen passt als auch zur Nachhaltigkeit beiträgt.
  • Konstante Weiterentwicklung: Neue und bessere Entscheidungen zu treffen, wird zum Faktor im Wettbewerb um die besten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die Fähigkeit, auch in unklaren Situationen entscheiden zu können, unter Berücksichtigung von Komplexitäten und Zielkonflikten, wird in Veränderungsprozessen zentral sein. Gleichzeitig muss diese Leistungsfähigkeit mit dem Ziel des Untenrehmens übereinstimmen. Vor allem junge Menschen fragen imme weniger nach Profit, und damit nach ihrem Gehalt - sondern viel mehr nach der Arbeitsatmosphäre und dem Unterschied, den das Unternehmen, für das sie arbeiten, in Sachen Nachhaltigkeit macht.

Unternehmen sind nach Ansicht von Dr. Viola Gerlach mehr denn je gefragt, ihre Kompetenzen in diesem Gestaltungsprozess einzubringen, und dabei den gezielten Austausch mit neuen Kooperationspartnern, die Expertise im Kontext der Nachhaltigkeit mitbringen, proaktiv zu gestalten. Gewinner sind dabei sowohl die Natur und Gesellschaft, als auch Unternehmen. Denn Unternehmen, denen es gelingt, die Sinnhaftigkeit ihrer Produkte und Dienstleistungen in das große Ganze des Transformationsprozesses in Richtung Nachhaltigkeit einzubetten, werden bei der Akquise begeisterungsfähiger Mitarbeiter einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil haben.

INFO: Am Donnerstag, 27. August 2020, findet um 16 Uhr ein Online-Expertenforum mit Dr. Viola Gerlach statt, bei dem es um Best Practices zu Nachhaltigkeit in Unternehmen geht. Die Teilnahme ist für KVD-Mitglieder kostenfrei, Nicht-Mitglieder zahlen 79,- Euro zzgl. MwSt. 

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