19.05.2020   |   News

Arbeitsrecht im Service in Zeiten von Corona - Antworten aus dem Online-Expertenforum des KVD

Corona und die arbeitsrechtlichen Folgen - ein vieldiskutiertes und stark nachgefragtes Thema aktuell. Das zeigte auch die Resonanz auf das erste Online-Expertenforum des KVD: Über 60 Teilnehmer wollten ihre Fragen in Sachen Arbeitsrecht loswerden und den Ausführungen der Expertinnen Dr. Susanne Giesecke und Cornelia Pusch von Eversheds Sutherland lauschen. Im Fokus stand der Abbau von Urlaubs- und Zeitkonten, die Einführung von Kurzarbeit oder auch die Nutzung variabler Vergütungsbestandteile. Wir fassen an dieser Stelle einige wichtige Empfehlungen zusammen:

Ein Thema war die Frage nach der Abrechnung von Kosten im Homeoffice, gerade mit Blick auf die Strom- oder Internetkosten. Hier empfahlen die Expertinnen, Unternehmen sollten eine Homeoffice-Vereinbarung treffen, in der solche Themen geregelt werden. Eine solche Vereinbarung könne man auch jetzt noch treffen. Ansonsten werde das pauschal mit dem Gehalt abgegolten. Ohne Regelung könne der Arbeitnehmer unter Umständen auch Vergütungen geltend machen, da der spontane Wechsel ins Homeoffice ja vielfach eine Initiatvie des Arbeitgebers gewesen sei.

Nächstes Thema: Urlaub- oder Stundenabbau - darf der Arbeitgeber darum bitten, dass der Arbeitnehmer in der Krise Urlaubstage nimmt? Die Expertenantwort: Grundsätzlich dürfe man diese Bitte immer äußern, aber der Mitarbeiter muss auch zustimmen. Der Arbeitgeber kann den Urlaub nicht einseitig anordnern, das gelte auch jetzt. In Einzelfällen könne Betriebsurlaub durch einen Betriebsarzt angeordnet werden, aber ohne Betriebsarzt sei das schwierig. Bei Zeitkonten komme es auf die Betriebsvereinbarung an. Andersherum können Arbeitnehmer, die zum Beispiel für den Sommer bereits Urlaub beantragt und bewilligt bekommen haben, den Arbeitgeber nur bitten, den Urlaub noch einmal verlegen zu dürfen - beispielsweise wenn ein Reisen jetzt nicht mehr möglich wäre. Zustimmen muss hier dann aber auch der Arbeitgeber nicht, da er die Gesamtplanung an Urlaub und freien Tagen im Blick haben muss.

Fraglich ist auch, was mit potenziell neuen Mitarbeitern passiert, die eigentlich eingestellt werden sollten - auch in Betrieben, die jetzt von Kurzarbeit betroffen sind. Eingestellt werden könne nur in den Unternehmensbereichen, in denen keine Kurzarbeit läuft. Das muss man der Arbeitsagentur anzeigen, um die angemeldeten Schwellenwerte zu wahren. Überhaupt muss übrigens niemena der Kurzarbeit zustimmen. Über Tarifverträge könne sie jedoch eingeführt werden. Unternehmen hätten dann die Möglichkeit der Änderungskündigung - das wäre nach Expertinnenmeinung ein Mittel für die Zeit der Kurzarbeit.

Wie sieht es beim konkreten Einsatz von Außendienstmitarbeitern und Service-Technikern aktuell aus? Hier sei den Hygienevorschriften und Empfehlungen Folge zu leisten. Im Außendienst sollten Mitarbeiter immer die gleichen Fahrzeuge nutzen können, eine Fahrzeugreinigung sei obligatorisch. Techniker sollten auch möglichst alleine fahren. Wie sieht es mit der Arbeit beim Kunden aus? Der Arbeitgeber muss Mitarbeiter nur dort hinschicken, wo es sicher ist. Ansonsten empfiehlt es sich, zum Beispiel auf Schulungen im Internet zu setzen und Dienstreisen möglichst zu vermeiden.

Eine Zusammenfassung und weitere Empfehlungen der Expertinnen finden KVD-Mitglieder im internen Mitgliederbereich.