26.01.2021   |   News

Nachhaltigkeitsmanagerin Ulrike Penz von Gruner + Jahr als Newcomerin des Jahres ausgezeichnet

Im August 2020 hatten wir Nachhaltigkeitsmanagerin Ulrike Penz von Gruner + Jahr im Interview in der SERVICETODAY: Sie sprach im Interview über Ihre Aufgaben als Nachhaltigkeitsmanagerin und über ihr Verständnis von nachhaltig agierenden Organisationen. Kurze Zeit später wurde sie vom renommierten kress Magazin als eine der Newcomerinnen des Jahres ermittelt. Aus diesem Anlass gehen wir noch einmal ausführlich auf Ulrike Penz auch außerhalb der SERVICETODAY ein.

Praktisch jeder hat schon einmal ein GEO-Heft in der Hand gehabt, hat sich über die Bilderstrecken und Rrportagen gefreut, die Infografiken studiert und so etwas über die Erde und die Umwelt gelernt. Seit 1976 gibt es das Magazin, von dem es mittlerweile auch diverse Ableger gibt. Sie alle erscheinen im Verlag Gruner + Jahr, und so bringt man das Hamburger Verlagshaus auch schnell mit dem Thema Umwelt und Nachhaltigkeit in Verbindung. Doch wie arbeitet das Unternehmen selbst, wenn es um Nachhaltigkeit geht? Darüber spricht man am besten mit Ulrike Penz, seit Ende April 2019 die erste Nachhaltigkeitsmanagerin des Unternehmens - oder "Chief Sustainability Officer", wie die Position dann im internationalen Kontext bezeichent wird. "Am Anfang ging es natürlich erst einmal darum, dass ich mir einen Überblick verschaffe", sagt die 33-Jährige, die Kommunikationsmanagement in Hannover studiert hat und dann sechs Jahre in einer PR-Agentur tätig war. Dort war sie für die Kommunikation großer Marken verantwortlich. "Dann habe ich allerdings den Schritt gemacht und die Seiten gewechselt, wie es dann immer so schön heißt." Ulrike Penz kam 2016 zu Gruner + Jahr, arbeitete in der Unternehmenskommunikation und wurde Beraterin für unterschiedliche Themen und Projekte. Dadurch hatte sie einen guten Kontakt zu allen Abteilungen im Verlagshaus - und später als Assistent Operations & Projects insbesondere auch zur Geschäftsführung.

"Ich habe mich in der Zeit intensiv mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinandergesetzt, und mich hat die Frage interessiert, wie man ein nachhaltiges Denken in den Mittelpunkt des Handels rücken kann." Sie wusste natürlich, dass dies eine wirklich große Fragestellung ist. Ihr war es aber wichtig, Konzepte für Geschäftsmodelle zu entwickeln, Verknüpfungen herzustellen, Mitarbeiter zu aktivieren - "mit dem Ziel, eine klare Perspektive zu haben, wie wir dem Thema gerecht werden können. Wie stehen wir als Unternehmen zu Nachhaltigkeitsaspekten? Wie soll der Blick nach vorne gestaltet sein? Das waren Leitfragen der ersten Arbeitsschritte."

Übrigens hatte Gruner + Jahr eine Stelle zum Thema Nachhaltigkeit nicht ausgeschrieben. An vielen Punkten im Unternehmen gab es schließlich auch schon nachhaltige Ansätze und Initiativen, und über eigene Produkte - gerade natürlich über die Marke GEO - fand auch schon immer eine kreative Auseinandersetzung mit Aspekten der Nachhaltigkeit statt.

"Mein Ansatz, den ich der Geschäftsführung vorgestellt habe, ging aber mehr in die Richtung, das Thema Nachhaltigkeit ganzheiltich zu sehen, institutionalisiert im Unternehmen, als strategisches Ziel und nicht verteilt an vielen Stellen im Haus. Nachhaltgikeit aus einem Guss, so könnte man es beschreiben", erklärt Ulrike Penz. Sie stellte der Geschäftsführung das Konzept vor- und überzeugte.

Gruner + Jahr CEO Julia Jäkel fasst das in einer Mitteilung des Unternehmens so zusammen: "Wir haben verstanden. Nachhaltigkeit ist eine der größten Aufgaben unserer Zeit. Es reicht uns nicht mehr, in unseren Medien über das Thema zu berichten und uns in vielen Einzelprojekten zu engagieren. Wir machen Nachhaltigkeit nun zu einem Teil unserer Strategie, denn Kreativität und Innovation in allen Bereichen ist es, was uns antreibt."

Transferiert auf die Arbeit von Ulrike Penz bedeutete das: Sie bekommt die volle Unterstützung der Geschäftsführung, an die sie auch direkt berichtet. Sie konnte starten, Kontakt zu den Abteilungen aufnehmen, Initiativen erfassen, Themen aufspüren, Informationen zusammentragen. "Wir mussten erst einmal sehen, wo wir stehen", erklärt sie.

War es schwierig, die Kolleginnen und Kollegen im Haus von dem neuen Ansatz zu überzeugen? "Überhaupt nicht", sagt die 33-Jährige, "im Gegenteil: Ich habe noch nie so offene Türen gesehen. Jeder war sofort dabei, konnte sich für das Thema begeistern und freute sich, dass Nachhaltigkeit jetzt offiziell als großes Thema für den gesamten Konzern angesehen werden würde." Tatsächlich könnte man ja damit rechnen, dass dieses Thema in Unternehmen polarisiert. "Aber das Gegenteil war der Fall. Viele Mitarbeiter zeigten ein persönliches Interesse, hatten Ideen und Konzepte, kamen aktiv mit Vorschlägen auf mich zu."

An der Stelle half ihr natürlich, dass sie schon im Unternehmen tätig war - und über die Arbeit in der Unternehmenskommunikation und Assistenz der Geschäftsführung auch in praktisch allen Abteilungen bekannt. "Es ist ein großes Stück Arbeit, sich einen Überblick zu verschaffen, bevor man konkret etwas anstoßen kann. Der Überblick ist einfach wichtig, und da hatte ich sehr gute Voraussetzungen, konnte mir die weiteren Informationen zudem in vielen Gesprächen einholen." Diese Gespräche mit den Bereichsleitern waren extrem hilfreich, sagt sie: Denn das sind ja die Experten."

Wie sieht jetzt die konkrete Arbeit aus? Ulrike Penz übersetzt das Thema Nachhaltigkeit für das Unternehmen. Es geht um die Koordination der Einzelbereiche und darum, mit ihnen zusammen eine gemeinsame Richtung zu definieren. Das startete ganz banal tatsächlich mit einer weißen Wand. "Darauf haben wir Themen vom Einkauf bis zum Vertrieb notiert und bewertet, was wie Relevanz hat. Wie gestaltet sich die ökologische Ebene der Logistik? Was sind die sozialen Komponenten im Personalbereich?" Aus den Inforamtionen wurden Projektlisten erstellt, Aufgaben generiert, Maßnahmen entwickelt. An einigen Stellen sei sie schon überrascht gewesen, wie viele Ansätze es eigentlich schon gibt, die bisher nicht kommuniziert wurden: "Es gibt viele Maßnahmen, sie sind aber dezentral organisiert und wenige wissen darüber Bescheid. Das ist ein Ansatz, aktiv zu werden, aber eben auch, weitere Denkprozesse anzustoßen, wie Nachhaltigkeit wirken kann. Im Magazindruck liegt zum Beispiel die ökologische Komponente nahe, aber was lässt sich in der Vermarktung umsetzen, welche Verantwortung können wir da übernehmen? Solche Prozesse wollte ich anstoßen."

Sie möchte etwas bewegen, und zwar für das gesamte Unternehmen. Es gehe nicht um Leuchtturmprojekte, sondern um den ganzheitlichen Ansatz: "Ich möchte nicht einfach nur Einzelthemen finden, um schöne Image-Geschichten zu erzählen, sondern das Denken kreativ und innovativ verändern, Nachhaltigkeit strategisch einbinden, bei jedem Schritt. Wir müssen Verantwortung übernehmen, und das auch entsprechend kommunizieren", sagt die Nachhaltigkeitsmanagerin. Das ist dann natürlich trotzdem eine schöne Geschichte.