25.03.2022   |   News

Von der Linearwirtschaft zur nachhaltigen Kreislaufwirtschaft

Das Modell der Kreislaufwirtschaft wird vielfach als Wirtschaftsmodell der Zukunft angesehen. Kein Wunder: Es unterstützt Unternehmen dabei, Werte zu erhalten, dabei Ressourcen zu schonen und im Idealfall Margen zu steigern. Wer den Nachhaltigkeitsgedanken frühzeitig in der eigenen Organisation implementiert, kann Wettbewerbsvorteile generieren und so sowohl Einnahmequellen erschließen als auch die Widerstandsfähigkeit der eigenen Organisation gegenüber externen, womöglich disruptiven Einflüssen stärken. Im Bezug auf die Dienstleistungswende nimmt das Thema Nachhaltigkeit eine prominente Rolle ein. Kreislaufwirtschaft wird ein Thema, mit dem sich Service-Organisationen und Unternehmen kurzfristig beschäftigen müssen.

Entsprechend hat der KVD auf dem KVD Service Congress - digital 2021 das Thema auf die Agenda der Workshops gesetzt. Ein wichtiger Faktor bei der Diskussion um Nachhaltigkeit ist das Thema Reparaturfähigkeit von Maschinen und Geräten. Was lässt sich wirtschaftlich reparieren, was weiter nutzen? Und was muss beim Produktdesign getan werden, damit Geräte in Zukunft repariert werden können? Darum drehte sich die Diskussion im KVD-Workshop „Stärkung der Kreislaufwirtschaft“.

Ökodesignrichtlinie und andere Impulse

Zum Auftakt stellten Gardy Kanzian von expert und Ralf Borchardt von Otto die aktuellen Entwicklungen vor. Da gibt es beispielsweise die Ökodesignrichtlinie: Mit dem Inkrafttreten der ersten neuen Produktverordnungen im Rahmen der Ökodesignrichtlinie bekomme die Diskussion um eine bessere Reparierfähigkeit von Elektrogeräten einen  rechtlichen Rahmen, sagte Ralf Borchardt. Dazu komme zum Beispiel die Batterieverordnung: Ein kaputter Akku solle in Zukunft nicht dafür sorgen, dass ein Mobiltelefon weggeworfen werden muss. Die Novelle des Elektro- und Elektronikgerätegesetzes zum 1. Januar 2022 sehe außerdem vor, dass es weitere Maßnahmen zur Steigerung der Wiederverwendung von Gebrauchtgeräten geben wird. Die beiden Experten zeigten auf, dass Hersteller in der Verantwortung sind, wenn es um reparaturfreundliches Produktdesign geht: Das heißt auch, dass keine Verwendung von Spezialwerkzeugen notwendig ist, dass es einen einfachen Zugang zu Ersatzteilen gibt, eine Bevorratung von Ersatz- und Funktionsteilen für 7 oder 10 Jahre, dazu einen Zugang zu Unterlagen und Diagnosetools sowie die  Bereitstellung von Dokumenten für Endkunden und Fachleute. Zum 1. Januar 2022 standen auch Veränderungen für Online-Händler an: Werden Neugeräte ausgeliefert, müssen Altgeräte kostenlos mitgenommen werden. Das gilt zum Beispiel für Wärmetauscher, für große Bildschirme oder große Elektrogeräte.

Roadmap der Circular Ecocomy Initiative Deutschland (CEID)

Alexandra Engelt von DIN e.V. erklärte, dass die Treiber für die Kreislaufwirtschaft in dem Ressourcendruck, im gesellschaftlichen Wandel und im politischen Willen liegen. Der Handlungsdruck und die Versorgungsabhängigkeit würden steigen, Ressourcenengpässe existierten bereits und würden sich verstärken, sagte sie. Es gebe ein starkes Momentum in der Gesellschaft für mehr Nachhaltigkeit. Unternehmen würden die gesellschaftliche Verantwortung erkennen. Dazu gibt es einen Bedarf an Standards, basierend auf der Roadmap der Circular Economy Initiative Deutschland (CEID): Es brauche Qualitätsstandards für gebrauchte und wiederaufbereitete Produkte und Materialien, außerdem Vorgaben zu Recycling-Anteilen und eine Definition offener Datenformate und -träger sowie eine Harmonisierung der Verpackungsvielfalt. Die aktuelle Planung sieht eine schrittweise Entwicklung von kurz- bis langfristig vor: Bis 2024 soll es klare Begriffsdefinitionen geben, außerdem Standards für ein systemisches „Design for Circularity“ auf Material-, Produkt-, Prozess- und Systemebene. Bis 2027 soll es außerdem um die Erhöhung der Transparenz für Akteure in Wertschöpfungsnetzwerken gehen. Bis 2030 sollen technische Standards für die Bereitstellung und den Austausch von digitalen Daten formuliert sein. Im Laufe des Jahres 2022 werde es dazu eine deutsche Normungsroadmap Circular Economy geben.

Welche Möglichkeiten der Gestaltung gibt es?

Im Workshop betrachtet wurden die Prozessbeteiligten, die bei der Entwicklung einer nachhaltigen Kreislaufwirtschaft mitgenommen werden müssen. Dazu zählen Konsumenten, Hersteller, Dienstleister und Fachkräfte. Hinzu kommen Aspekte wie Self-Services, gesetzliche Anforderungen sowie der eigentliche Nachhaltigkeitsbegriff mit den Elementen Ökologie, Ökonomie und Soziales. Sebastian Lawrenz von der TU Clausthal berichtete aus dem Forschungsprojekt „Effizient nutzen“. Es trägt das Ziel, den Übergang von einer Linearwirtschaft zu einer Kreislaufwirtschaft zu schaffen. Ziel sei die Lebensdauerverlängerung und eine Verbesserung der Reparaturprozesse. Eine Begleitstudie habe gezeigt, dass rund 55 Prozent von eingesendeten Produkten nach der Reparatur wieder betriebsfähig waren. Eine Reparatur sei vielfach möglich, aber nicht einfach. Entstehende Kosten seien der entscheidende Faktor, ob es zu einer Reparatur kommt. Hindernisse seien fehlende Reparaturangebote, zu teure Reparaturen oder dass keine direkte Reparatur möglich ist. Herausgefunden wurde auch, dass Reparatur ein schlechtes Image habe, was bei den Befragten der Studie vielfach lediglich auf Vermutungen beruhe. Im Workshop wurde intensiv über Entwicklungs- und Gestaltungsmöglichkeiten auf dem Weg zu einer  funktionierenden Kreislaufwirtschaft diskutiert. Aufgekommen war die Frage nach dem Umgang mit Retouren - diese würden nach Möglichkeit  vermieden, erklärte Ralf Borchardt von Otto; sollten doch Retouren anfallen, versuche man, diese entsprechend aufzuarbeiten. Ein wichtiger Aspekt war auch die Frage, wie man mit dem Thema Ersatzteile aus nachhaltiger Perspektive umgehen könnte – im Fokus steht da die Gratwanderung zwischen der Wirtschaftlichkeit der Bevorratung, dem Abrufen der Ersatzteile und der Gefahr der Überalterung von Teilen. Helfen könnten je nach Einsatzbereich generische Ersatzteile, zum Beispiel bei Ladegeräten. Additive Fertigung wurde als eine Möglichkeit zur Stärkung von Lieferbarkeit angesehen.