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Wie können Unternehmen Arbeitsbedingungen schaffen, in denen Menschen mit unterschiedlichen Denk-, Wahrnehmungs- und Arbeitsweisen ihre Fähigkeiten einbringen können? Diese Frage stand beim Ladies Lunch Juli der PowerWomen@KVD im Mittelpunkt.

Erstmals wurde das monatliche Austauschformat durch einen fachlichen Impuls ergänzt. Dr. Simone Dogu, Agility Master in der Fahrzeuginstandhaltungs-IT bei der DB Systel GmbH, gab Einblicke in die Aktivitäten des Unternehmens rund um Neurodiversität. Dabei zeigte sie, wie aus einzelnen Initiativen schrittweise ein unternehmensweites Netzwerk entstehen kann und welche Herausforderungen weiterhin bestehen.

Neurodiversität betrifft den gesamten Arbeitsalltag

Neurodiversität beschreibt die Vielfalt neurologischer Unterschiede, die das Denken, Lernen, Wahrnehmen und Arbeiten beeinflussen. Dazu zählen u.a. ADHS, Autismus, Hochbegabung und Legasthenie. Die jeweiligen Ausprägungen sind vielfältig und können sich überschneiden.

Mit ihnen können besondere Stärken verbunden sein. Dazu gehören beispielsweise eine schnelle Auffassungsgabe, analytisches Denken, Kreativität, Detailorientierung oder die Fähigkeit, sich intensiv in ein Thema einzuarbeiten. Gleichzeitig können unklare Kommunikation, hohe Reizbelastung, starre Arbeitsstrukturen oder unpassende Aufgabenverteilungen zu Schwierigkeiten führen.

Für Dr. Simone Dogu ist deshalb weniger die Diagnose entscheiden als die Frage, welche Rahmenbedingungen ein Mensch benötigt. Beschäftige sollten ihre Bedürfnisse ansprechen können, ohne persönliche Diagnosen offenlegen zu müssen. Dazu kann die Aussage gehören, dass konzentriertes Arbeiten im Großraumbüro kaum möglich ist, bestimmte Aufgaben klare Anweisungen erfordern oder flexible Arbeitszeiten die Leistungsfähigkeit verbessern.

Dieser Ansatz senkt die Hürde für offene Gespräche. Zugleich kommt er allen Mitarbeitenden zugute, da unterschiedliche Anforderungen an Kommunikation, Arbeitszeit und Arbeitsplatzgestaltung keine Ausnahme darstellen.

Wie DB Systel das Thema vorantreibt

Bei der DB Systel ist Diversität als Stabstelle bei der Geschäftsführung verankert. Eine Diversitäts-und-Inklusions-Managerin begleitet das Themenfeld. Ergänzend besteht ein fluides Netzwerk, in dem Mitarbeitende eigene Ideen und Schwerpunkte einbringen können.

So entstanden über die vergangenen Jahre verschiedene Initiativen. Ein bereits bestehender Austausch zu ADHS wurde mit weiteren Aktivitäten verbunden. Inzwischen gibt es u.a. einen Autismus-Stammtisch. Vorträge über Hochbegabung im Beruf und Praxisbeispiele aus anderen Unternehmen wurden in die konzernweite Diversity Week eingebunden.

Die Resonanz zeigt, dass ein hoher Informationsbedarf besteht. Neben einer großen Zahl an Teilnehmenden erhielt das Organisationsteam zahlreiche persönliche Rückmeldungen über interne Kommunikationskanäle. Für DB Systel ist dies ein wichtiger Hinweis, das Thema kontinuierlich weiterzuführen.

Forschung und unternehmensübergreifender Austausch

Eine weitere Säule bildet die Zusammenarbeit mit der Hochschule Hannover. In einem ersten Forschungsprojekt wurde Neurodiversität in agilen Softwareentwicklungsteams untersucht. Ein weiteres Projekt beschäftigt sich mit dem Zusammenspiel von Neurodiversität und Künstlicher Intelligenz. Aus beiden Projekten sollen wissenschaftliche Veröffentlichungen entstehen.

Zusätzlich beteiligt sich die DB Systel an einem unternehmensübergreifenden Netzwerk mit mehr als 20 Organisationen. Dazu gehören u.a. die Deutsche Telekom, SAP und Lufthansa. Die Beteiligten teilen Erfahrungen, stellen eigene Formate vor und unterstützten sich gegenseitig mit Materialien und Praxisbeispielen.

Der Austausch hilft dabei, bestehende Ansätze zu nutzen, statt jedes Format neu zu entwickeln. Vorträge anderer Unternehmen, Best Practices und gemeinsame Veranstaltungen schaffen zugleich mehr Sichtbarkeit für das Thema.

Führungskräfte gezielt erreichen

Eine zentrale Herausforderung bleibt die Einbindung von Führungskräften. Häufig besuchen zunächst diejenigen Informationsveranstaltungen, die bereits für das Thema sensibilisiert sind. Personen ohne persönlichen Bezug werden durch freiwillige Formate deutlich schwerer erreicht.

DB Systel befindet sich deshalb auch im Austausch mit der DB Akademie. Dort sind die Führungskräftetrainings des Konzerns gebündelt. Geprüft wird, wie Wissensbausteine und Vorträge zu Neurodiversität gezielt in die Führungskräfteentwicklung eingebunden werden können.

Denn ob Mitarbeitende ihre Bedürfnisse offen ansprechen, hängt wesentlich von der Unternehmenskultur und der direkten Führungskraft ab. Vertrauen, eine angemessene Kommunikation und die Bereitschaft, bestehende Arbeitsweisen zu hinterfragen, sind entscheidende Voraussetzungen.

Was bedeutet Neurodiversität für uns im technischen Service?

In der anschließenden Diskussion richteten die Teilnehmerinnen den Blick auf den technischen Service. Dabei entstand die Frage, ob bestimmte Servicebereiche Menschen ansprechen, die ein dynamisches Umfeld, wechselnde Aufgaben oder eine intensive Beschäftigung mit komplexen Problemen bevorzugen.

Eine belastbare statistische Grundlage dafür liegt nicht vor. Der Gedanke eröffnet dennoch eine relevante Perspektive für die Personal- und Organisationsentwicklung: Arbeitsplätze und Rollen könnten stärke danach beschrieben werden, welche Arbeitsweise, Umgebung und Form der Zusammenarbeit sie bieten.

Ein dynamisches Servicecenter stellt andere Anforderungen als eine Aufgabe in der Analyse, Qualitätssicherung oder Prozessoptimierung. Transparente Rollenbeschreibungen könnten Bewerber:innen dabei helfen, besser einzuschätzen, welche Tätigkeiten zu ihren Stärken und Bedürfnissen passt.

Der Ladies Lunch machte deutlich, dass Neurodiversität kein isoliertes Personalthema ist. Sie betrifft Führung, Recruiting, Arbeitsplatzgestaltung, Kommunikation und die Entwicklung leistungsfähiger Teams. Unternehmen müssen dafür nicht sofort eine umfassende Strategie vorlegen. Entscheidend ist, mit konkreten Formaten zu beginnen, Erfahrungen auszuwerten und das Thema kontinuierlich sichtbar zu halten.

Mitmachen bei den PowerWomen@KVD

Die PowerWomen@KVD richten sich an Frauen im technischen Service, die sich vernetzen, austauschen und gegenseitig stärken möchten. Die Initiative lebt von unterschiedlichen Perspektiven, Erfahrungen und Rollenbildern. Interessierte KVD-Mitglieder sind eingeladen, Teil der Community zu werden und sich in Formaten wie dem Ladies Lunch einzubringen.

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