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Teilzeit ist in der Arbeitswelt längst angekommen. In den Führungsetagen gilt das deutlich weniger. Genau darüber wurde beim Ladies Lunch der PowerWomen@KVD im September diskutiert. Die zentrale Frage: Warum sollte eine reduzierte Arbeitszeit automatisch bedeuten, dass berufliche Entwicklung oder Führungsverantwortung nicht mehr möglich sind?

Die Zahlen zeigen, wie relevant die Frage ist. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes arbeiteten 2025 in Deutschland 48,7 Prozent der erwerbstätigen Frauen zwischen 15 bis unter 65 Jahren in Teilzeit. Bei den Männern waren es 12,2 Prozent. Gleichzeitig waren 2024 lediglich 29,1 Prozent der Führungspositionen in Deutschland mit Frauen besetzt.

Teilzeit ist etabliert – Führung in Teilzeit deutlich weniger

Auch die Erfahrungen aus dem Ladies Lunch zeigen: Teilzeitmodelle sind in vielen Unternehmen selbstverständlich geworden. Teilnehmerinnen aus dem Service berichteten jedoch, dass sie diese vor allem in administrativen Funktionen erleben und weiterhin überwiegend bei Frauen. Die Verbindung von reduzierter Arbeitszeit und Führungsverantwortung sei dagegen deutlich seltener anzutreffen.

Damit stellt sich eine grundsätzliche Frage: Muss Karriere weiterhin an eine bestimmte Zahl von Wochenstunden gekoppelt sein?

Eine Teilnehmerin brachte es im Austausch auf den Punkt: Bei einem sehr geringen Stundenumfang mögen bestimmte Führungsaufgaben schwer abzubilden sein. Aber warum sollte bspw. eine 30-Stunden-Woche grundsätzlich einer weiteren beruflichen Entwicklung entgegenstehen?

Ein Blick auf ein Projekt des Bundesfamilienministeriums zeigt, dass solche Modelle bereits praktiziert werden. Untersucht wurde das Führen in Teilzeit in den obersten Bundesbehörden. Dort führen laut Bundesfamilienministerium bislang zwölf Prozent der Führungskräfte in Teilzeit. 73 Prozent dieser Teilzeitführungskräfte sind Frauen.

Interessant ist auch der tatsächliche Arbeitsumfang: In der Befragung zum Projekt arbeiteten 89 Prozent der Führungskräfte in Teilzeit min. 30 Stunden pro Woche und damit in vollzeitnaher Teilzeit.

Arbeitszeit und Verantwortung sind nicht dasselbe

Eine Führungskraft muss nicht zwangsläufig permanent verfügbar sein, um gute Entscheidungen zu treffen, Mitarbeitende zu entwickeln oder Verantwortung für Ergebnisse zu übernehmen. Entscheidend ist vielmehr, wie Führung und Zusammenarbeit organisiert werden.

Genau an diesem Punkt wurde die Diskussion beim Ladies Lunch besonders spannend. Denn die Frage nach Teilzeit führte schnell zu einer viel größeren Frage: Wie abhängig ist ein Team eigentlich von der dauerhaften Anwesenheit einer einzelnen Führungskraft?

Auch geplante Abwesenheiten gehören schließlich zum Berufsleben. Urlaub, Weiterbildungen, Sabbaticals oder andere Auszeiten müssen organisatorisch aufgefangen werden können. Dafür braucht es klare Verantwortlichkeiten, funktionierende Vertretungen und Mitarbeitende, die Entscheidungen treffen dürfen.

Das gilt genauso für Teilzeit.

Gute Teilzeitführung braucht klare Strukturen

Dass dies nicht nur eine Einschätzung aus der Diskussionsrunde ist, zeigen auch die Handlungsempfehlungen aus dem Projekt „Führen in Teilzeit in den obersten Bundesbehörden“. Dort werden u.a. klare Vertretungsregeln, transparente Absprachen zu Erreichbarkeiten und Abwesenheiten sowie eindeutig definierte Entscheidungsbefugnisse empfohlen. Ebenso wichtig sind feste Kommunikationsroutinen innerhalb des Teams.

Damit verschiebt sich die Perspektive. Nicht die reduzierte Arbeitszeit allein entscheidet darüber, ob Führung funktionieren kann. Entscheidend sind die Strukturen darum herum.

Wer Verantwortung delegiert, Wissen verteilt und seinem Team echte Entscheidungsspielräume gibt, schafft eine Orientierung, die weniger von einzelnen Personen abhängig ist. Das hilft nicht nur bei Teilzeit. Solche Strukturen machen Teams auch bei Urlaub oder anderen Abwesenheiten belastbarer.

Gerade im Service lohnt sich die Diskussion

Für Unternehmen im technischen Service ist die Frage besonders interessant. In der Runde wurde deutlich, dass einige Bereiche weiterhin stark von klassischen Rollenbildern und Arbeitszeitmodellen geprägt sind. Eine Teilnehmerin berichtete bspw., dass Frauen im technischen Außendienst ihres Unternehmens nach wie vor kaum vertreten seien.

Umso wichtiger die Frage, welche Karrierewege Unternehmen künftig ermöglichen wollen. Denn Teilzeit ist nicht ausschließlich ein Modell für Mütter oder für bestimmte administrative Tätigkeiten. Unterschiedliche Arbeitszeitmodelle können in verschiedenen Lebensphasen relevant werden – unabhängig von Geschlecht oder familiärer Situation.

Wenn Beschäftigte mit ihrer Arbeitszeit auch ihre Entwicklungsmöglichkeiten reduzieren müssen, gehen Unternehmen möglicherweise Potenziale verloren, die fachlich längst vorhanden wären.

Vielleicht stellen wir die falsche Frage

Statt zu fragen „Kann diese Führungsposition überhaupt in Teilzeit funktionieren?“ könnte die bessere Frage deshalb lauten „Wie müssen wir Führung und Zusammenarbeit organisieren, damit Verantwortung auch mit unterschiedlichen Arbeitszeitmodellen funktioniert?“

Dann geht es nicht mehr nur um Teilzeit. Es geht um moderne Führung, um Vertrauen und um Strukturen, die nicht davon abhängen, dass eine einzelne Person jederzeit verfügbar ist.

Genau solche Fragen stehen beim Ladies Lunch der PowerWomen@KVD im Mittelpunkt. Einmal im Monat treffen sich Frauen aus dem KVD-Netzwerk zum offenen Austausch über Themen, die sie im Berufsalltag bewegen.

Quellen:

  • Statistisches Bundesamt (Destatis): „Teilzeitquote nach Geschlecht in der Altersgruppe 15 bis unter 65 Jahren“, Stand 13. April 2026, Mikrozensus 2025, Erstergebnis.
  • Statistisches Bundesamt (Destatis): „Frauen in Führungspositionen“, Arbeitskräfteerhebung 2024.
  • Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: „Führen in Teilzeit in den obersten Bundesbehörden“, Bestandsaufnahme und Handlungsempfehlungen.

Mitmachen bei den PowerWomen@KVD

Die PowerWomen@KVD richten sich an Frauen im technischen Service, die sich vernetzen, austauschen und gegenseitig stärken möchten. Die Initiative lebt von unterschiedlichen Perspektiven, Erfahrungen und Rollenbildern. Interessierte KVD-Mitglieder sind eingeladen, Teil der Community zu werden und sich in Formaten wie dem Ladies Lunch einzubringen.

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