Es gibt wenig, was mich im Berufsalltag so frustriert, wie auf Kommunikation ins Leere zu laufen. E-Mails, die unbeantwortet bleiben, Anrufe, bei denen nie abgenommen wird, und das Gefühl, bewusst ignoriert zu werden – dabei geht es gar nicht um sofortige Antworten, sondern um Wertschätzung im Umgang miteinander. Wer auf eine Rückmeldung wartet – sei es auf Angebote, Absprachen oder sogar Zusagen – fühlt sich irgendwann vor den Kopf gestoßen, wenn nichts zurückkommt. Diese erzwungene Funkstille trifft Menschen und Unternehmen gleichermaßen; und sie ärgert, weil längst eine Antwort, mag sie auch negativ ausfallen, für Klarheit sorgen würde.
Ghosting im Business-Kontext – ein unterschätztes Phänomen, oder?
Wovon spreche ich? Business-Ghosting beschreibt für mich das plötzliche und unerklärte Abbrechen von Kommunikation im geschäftlichen Kontext. Es kommt vor, wenn Geschäftspartner, Auftraggeber, Kundinnen oder Bewerbende nicht mehr auf E-Mails reagieren, sich telefonisch verleugnen lassen oder vereinbarte Termine wortlos verstreichen lassen.
Studien belegen, dass dieses Verhalten kein Randphänomen ist. So ergab eine Untersuchung von LinkedIn im Jahr 2022, dass rund 36 % der Befragten schon einmal von Geschäftspartnern „geghostet“ wurden, und knapp ein Viertel gab an, dass dies mehrfach im Jahr passiert.
Oder man denke an den Personal-Bereich: Laut einer Greenhouse-Studie von Anfang 2024 wurden 61% der Stellensuchenden nach einem Vorstellungsgespräch von Firmen geghostet – und die Quote steigt kontinuierlich. Auf der anderen Seite werden auch immer mehr Unternehmen von Bewerbern geghostet, die sich einfach nicht auf eine Einladung zum Bewerbungsgespräch oder auf eine Zusage zurückmelden – möglicherweise auch eine Auswirkung des Bewerber-Arbeitsmarktes, wie er aktuell (noch) vorherrscht.
Während Bewerber vor allem im Recruiting-Prozess betroffen sind, leiden auch Agenturen im B2B-Bereich erheblich: Werden Termine nicht wahrgenommen oder Absprachen nicht bestätigt, gehen Zeit, Ressourcen und Planungssicherheit verloren. Finanzielle Einbußen und blockierte Kapazitäten sind die Folge – und das Vertrauen in die Geschäftsbeziehung wird nachhaltig gestört.
Ich glaube, dass dem Ghoster nicht immer das Ausmaß dessen bewusst ist, das diese Funkstille verursacht. Meine Beobachtung ist, wenn man mal nachhakt, dass nicht selten Unsicherheit, Überforderung oder fehlende Streitkultur dahinter steckt, manchmal aber auch mangelnde Professionalität oder schlicht Desinteresse. Doch ganz gleich, ob bewusst oder unbewusst: Wer den Kontakt ohne Erklärung abbricht, hinterlässt einen bleibenden Eindruck – und setzt sowohl die eigene Reputation als auch die Effizienz und Motivation anderer aufs Spiel.
Meine 5+1 Tipps gegen Business-Ghosting
Um Ghosting zu begegnen und den Kontakt dennoch aufrechtzuerhalten, helfen aus meiner Sicht folgende Strategien:
– Transparente und wertschätzende Kommunikation: Offen, klar und respektvoll formulierte Anfragen erhöhen die Wahrscheinlichkeit einer Antwort und vermeiden Missverständnisse.
– Klare Verbindlichkeit schaffen: In der Kommunikation Fristen benennen, Erwartungen offenlegen und nachfassen, falls tatsächlich keine Rückmeldung erfolgt.
– Einfühlsam nachhaken: Wenn keine Antwort kommt, freundlich an die letzte Nachricht erinnern und dabei Verständnis für mögliche Stress- oder Engpasssituationen ausdrücken.
– Kommunikationskanäle variieren: Wenn E-Mail keine Antwort bringt, kann ein kurzer Anruf oder eine Nachricht auf einem alternativen Weg über LinkedIn oder WhatsApp helfen, die Kommunikation wiederzubeleben.
– Eigene Prozesse optimieren: Die eigene Professionalität in Zusagen und Rückmeldungen vorleben – Fairness und Verlässlichkeit fördern oft eine ähnliche Reaktion auf der Gegenseite.
Notfalls: Kontakt höflich beenden! Sollte nach mehreren Versuchen keine Antwort kommen, das Projekt oder Anliegen wertschätzend beenden, damit Ressourcen neu frei werden und Missmut vermieden wird.
Denn am Ende gilt: Keine Antwort ist auch eine Antwort – und manchmal ist es klüger, loszulassen, als wertvolle Zeit und Energie zu vergeuden.
Autor: Carsten Neugrodda, KVD-Geschäftsführer