Beim monatlichen Ladies Lunch der PowerWomen@KVD stand im Mai ein Thema im Mittelpunkt, das viele Unternehmen aktuell intensiv beschäftigt: die Rückkehr ins Büro. Was zunächst wie eine organisatorische Frage wirkt, entwickelte sich in der Diskussion schnell zu einer grundsätzlichen Debatte über Vertrauen, Führungskultur, Arbeitsmodelle und Zukunftsfähigkeit.
Viele Teilnehmerinnen berichteten, dass Unternehmen derzeit wieder stärkere Präsenzpflichten einführen – teils pauschal, teils global entschieden, oft ohne Blick auf konkrete Teams, Aufgaben oder Lebenssituationen. Gerade dort, wo Mitarbeitende digital, standortübergreifend oder projektbezogen arbeiten, erscheint eine starre Rückkehr ins Büro vielen nicht nachvollziehbar. Der Tenor der Runde war deutlich: Präsenz allein schafft noch keine bessere Zusammenarbeit.

Im Gegenteil: Wenn Mitarbeitende im Büro sitzen, dort aber weiterhin hauptsächlich in digitalen Meetings arbeiten, stellt sich die Frage nach dem tatsächlichen Mehrwert. Kollaboration entsteht nicht automatisch durch Anwesenheit. Sie braucht passende Formate, klare Ziele, regelmäßige Kommunikation und eine Führungskultur, die Vertrauen ermöglicht.
Besonders kritisch wurde die sogenannte Gießkannenmethode diskutiert: Regeln, die für alle gelten, obwohl Teams sehr unterschiedlich arbeiten. Während es in manchen Servicebereichen gute Gründe für direkte Abstimmung vor Ort geben kann, funktionieren andere Aufgaben vollständig digital. Entscheidend sei deshalb nicht die Frage „Büro oder Homeoffice?“, sondern: Welche Arbeitsform unterstützt die Aufgabe, das Team und die Menschen am besten?
Ein zentraler Punkt der Diskussion war Vertrauen. Mehrere Teilnehmerinnen machten deutlich, dass schlechte Leistung nicht dadurch verschwindet, dass Menschen im Büro sitzen. Wer nicht arbeiten wolle, tue dies auch vor Ort nicht automatisch besser. Vielmehr brauche es Führungskräfte, die Ziele klar formulieren, Leistung einschätzen können und regelmäßig mit ihren Teams im Gespräch bleiben.
Auch die Vereinbarkeit von Beruf, Familie und möglicher Pflege spielte eine wichtige Rolle. Starre Präsenzregeln treffen häufig genau jene Mitarbeitenden, die durch flexible Modelle besonders leistungsfähig und loyal bleiben können. Individuelle Lösungen wurden deshalb als wichtiger Hebel beschrieben, um Talente zu halten und Motivation zu stärken.
Mit Blick auf den technischen Service wurde deutlich: Unternehmen führen seit Jahrzehnten Menschen auf Distanz – etwa im Außendienst. Umso erstaunlicher wirkt es, wenn hybride oder virtuelle Führung im Innendienst weiterhin als Problem betrachtet wird. Die Diskussion zeigte: Zukunftsfähige Arbeitskultur entsteht nicht durch Kontrolle, sondern durch Klarheit, Vertrauen und Verantwortungsübernahme.
Der Ladies Lunch machte einmal mehr sichtbar, wie wertvoll der offene Austausch innerhalb der PowerWomen@KVD ist. Die Teilnehmerinnen brachten unterschiedliche Perspektiven aus Industrie, Beratung, Service, Führung und Selbstständigkeit ein. Genau daraus entsteht der Mehrwert der Initiative: aktuelle Themen werden nicht abstrakt diskutiert, sondern anhand konkreter Erfahrungen aus der Praxis reflektiert.
Die Essenz des Austauschs: Unternehmen, die Arbeitsmodelle nur über Anwesenheit definieren, verschenken Potenzial. Wer dagegen Vertrauen, klare Ziele und individuelle Lösungen in den Mittelpunkt stellt, stärkt nicht nur Mitarbeitende, sondern auch die eigene Zukunftsfähigkeit.
Mitmachen bei den PowerWomen@KVD
Die PowerWomen@KVD richten sich an Frauen im technischen Service, die sich vernetzen, austauschen und gegenseitig stärken möchten. Die Initiative lebt von unterschiedlichen Perspektiven, Erfahrungen und Rollenbildern. Interessierte KVD-Mitglieder sind eingeladen, Teil der Community zu werden und sich in Formaten wie dem Ladies Lunch einzubringen.